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Verhandeln

- zusammenfügen - verbinden (einigen) - sowohl - als auch -

 

Immer wieder brach heftiger Streit zwischen Irmgard und Hannes aus, wenn einer einen Wunsch äußerte - und der andere dazu nicht gleich "Ja - und Amen!" sagte, sondern abweichende Ideen vortrug. - Jetzt begannen sehr schnell die gegenseitigen Vorwürfe, wie "Du willst also nicht auf mein Bedürfnis eingehen!" - "Ich fühle mich überhaupt nicht gehört und mit meinem Bedürfnis respektiert!" - "Stimmt doch überhaupt nicht, aber ich bin doch auch noch da!" usw. usw.

Die beiden mögen sich sehr. Nach einiger Zeit ist es dann immer wieder gelungen, entstandenen Ärger und Wut beiseite zu schieben.

Doch die belastenden Zwischenfälle mehrten sich und führten an den Rand einer Katastrophe. - Weil sie sich nicht auf "gemeinsame" Wege einigen konnten.
Beide waren zutiefst frustriert und sahen im anderen jeweils den Übeltäter.

Bis sie schließlich ihr Thema in unsere gemeinsame Gesprächs- und Erzählrunde einbrachten, die wir einmal monatlich mit durchschnittlich fünf bis sieben interessierten Teilnehmern abhalten.

Sie erzählten das folgende Beispiel:

Irmgard:   Ich wünsche mir einen gemeinsam vereinbarten Satz (eine fest vereinbarte Formel), mit dem wir einen laufenden Streit beenden können.

Hannes:  Ja, und was stellst du dir da vor?

Du bist doch so empfindlich mit Formulierungen, sage deshalb ruhig du, wie der Satz lauten könnte. Mir ist alles recht!

Auch wenn wir einen Satz hätten, was machst du dann mit deiner Wut und deinem Ärger, die momentan da sind?

Ich habe dann keine Wut und keinen Ärger mehr!

Du hast dann also mit einem Schlag wieder gute Stimmung? - Ich nicht! -
Ich bin der Meinung, dass es keines festgelegten Satzes bedarf. - Ein gutes Wort findet immer einen guten Ort. Wenn derjenige, der unterbrechen möchte, zum anderen z.B. freundlich sagt: "Du bitte, lass uns jetzt den Streit beenden, machen wir doch später, wenn wir uns wieder abgekühlt haben oder auch morgen mit diesem Thema weiter!", dann wird das sicherlich gut möglich sein.

Ich kann aber in einem Streit, wenn ich auf dich wütend bin, nicht freundlich einen langen Satz sagen. Bestenfalls bringe ich eine kurze Unterbrechungsformel raus.

Ich würde sagen, dass die Stimme des Herzens schon den richtigen Ton und die richtigen Worte findet.


Und dann ging es zwischen den beiden richtig in die Vollen und gegeneinander: "Du willst auf Meines nicht eingehen!", "Du willst wieder Recht behalten, es ist immer das Gleiche! - Wie damals, da war es genau so - und außerdem ... !" - Ein immer schlimmer werdendes Aufeinander-ein-gehacke.

Das Erzählen wurde begleitet von verständnisvollem Kopfnicken mehrerer Teilnehmer unserer Runde, denen solche Abläufe offensichtlich auch bekannt waren.


Wie ließe sich das nun verbessern?

Wir kamen schnell und übereinstimmend zu der Meinung, dass die beiden im "entweder Meines - oder Deines" stecken geblieben und sich darüber in die Haare geraten waren.

Wenn zwei zu einer Sache eine gemeinsame Lösung finden wollen, dann beginnt das in den meisten Fällen mit verschiedenen Meinungen. Jeder hat - aus seiner Sicht - völlig Recht. Und jeder vertritt natürlich die eigenen Interessen und möchte diese, möglichst unverändert, so auch erfüllt sehen.

Genau das geht aber nicht!

Im Miteinander führt das "entweder - oder" zum Gegeneinander und früher oder später zur Katastrophe. Beide müssen also umlernen und sich mit dem "sowohl - als auch" anfreunden. Sowohl die eigenen Sichtweisen, als auch die des anderen, sind richtig und wichtig. 
Wollen nun beide eine "gemeinsame" Lösung, zu der dann auch beide uneingeschränkt "Ja" sagen können, dann müssen sie von den je eigenen bisherigen Ideal-Vorstellungen abrücken - und zwar "aufeinander zu".
So können Lösungen ertastet werden, die nun zwar für keinen von beiden ideal, für beide aber gut und nun auch "gemeinsam" möglich sind.

Dabei ist ein klares Bei-sich-selbst-bleiben (z.B. Ich denke ..., ich schlage vor ..., ich würde mir wünschen, dass .... usw.) immer hilfreich. 
Der von Irmgard gebrachte Vorschlag "Du bist doch so empfindlich mit Formulierungen, sage deshalb ruhig du, wie der Satz lauten könnte. Mir ist alles recht!" ist wenig hilfreich, weil Hannes so für etwas in die Pflicht genommen werden soll, wozu es noch gar nicht seine Zustimmung gegeben hat. Besser ist ein selbst formulierter, klarer Vorschlag, über den dann auch verhandelt werden kann.

Vielfach wird es einfach als selbstverständlich vorausgesetzt, dass zwei, wenn sie ein gemeinsames Thema, aber verschiedene Herangehensweisen haben, sich auf eine gemeinsame Lösung einigen wollen. 
Das ist nicht selbstverständlich! 
Die Stimmungen, Befindlichkeiten und Gefühle können bei einem oder auch beiden so sein, dass für ein zusammenfügendes Gespräch momentan keine guten Voraussetzungen oder auch persönlich keine Bereitschaft da sind. 
Wichtig ist also, zunächst zu überprüfen: "Wollen wir jetzt versuchen, eine gute, gemeinsame Lösung zu finden? - Ich bin dafür (oder auch: im Moment bin ich dafür es auf heute Nachmittag zu verschieben) - Was meinst du?"


Wie können "gemeinsame Lösungen" gefunden werden?

Sind beide Vorstellungen zu einem bestimmten Thema im Wechsel vorgetragen und begründet, empfiehlt es sich, dass derjenige, der nun dran ist

  • "beide" Vorstellungen zusammenfasst (z.B. "Du möchtest es also so ... - und ich würde es lieber so ... haben.") um dann

  • die Frage zu stellen: "Wollen wir jetzt versuchen, eine gute, gemeinsame Lösung zu finden? - Ich bin dafür / dagegen, weil ... . - Was meinst du?"
    Sind beide "jetzt dafür", dann hilft

  • die nächste Frage weiter:
    "Wie lassen sich unsere zwei verschiedenen Positionen nun zu einer guten, gemeinsamen Lösung zusammenfügen?"
    1) 


Beispiel:
Dieser Gedanke wurde von Irmgard und Hannes aufgenommen. Sie haben das vorherige Beispiel dann nochmals durchgespielt:

Irmgard:   Ich wünsche mir einen gemeinsam vereinbarten Satz (eine fest vereinbarte Formel), mit dem wir einen laufenden Streit beenden können.

Hannes:  Ja, und was stellst du dir da vor?

z.B. "Stopp! - Beenden wir bitte unseren Streit an dieser Stelle!"

Auch wenn wir einen Satz hätten, was machst du dann mit deiner Wut und deinem Ärger, die momentan da sind?

Ich habe dann keine Wut und keinen Ärger mehr!

Du hast dann also mit einem Schlag wieder gute Stimmung? - Ich nicht! -
Ich bin der Meinung, dass es keines festgelegten Satzes bedarf. - Ein gutes Wort findet immer einen guten Ort. Wenn derjenige, der unterbrechen möchte, zum anderen z.B. freundlich sagt: "Du bitte, lass uns jetzt den Streit beenden, machen wir doch später, wenn wir uns wieder abgekühlt haben oder auch morgen mit diesem Thema weiter!", dann wird das sicherlich gut möglich sein.

Ich kann aber in einem Streit, wenn ich auf dich wütend bin, nicht freundlich einen langen Satz sagen. Bestenfalls bringe ich eine kurze Unterbrechungsformel raus.

Ich würde sagen, dass die Stimme des Herzens schon den richtigen Ton und die richtigen Worte findet.

Ab hier war bisher Gegeneinander, nun wird das Miteinander (sowohl Deines - als auch Meines) versucht.

Ich fasse jetzt mal zusammen:

Ich möchte einen konkreten und fest vereinbarten Satz, um einen Streit erfolgreich zu unterbrechen, an den wir beide uns dann auch wirklich halten - und du möchtest der Stimme des Herzens freien Raum geben, in der Überzeugung, dass ein gutes Wort auch einen guten Ort findet.
Habe ich das richtig zusammengefasst?

Völlig richtig!

Ich schlage vor, dass wir jetzt dabei bleiben und nach einer guten, gemeinsamen Lösung suchen. Was meinst du?

Da bin ich auch dafür!

Prima! - Und wie könnten wir diese verschiedenen Sichtweisen nun zu einer guten, gemeinsamen Lösung "zusammenfügen"?
Ich würde vorschlagen, auch wenn es zunächst total verrückt klingen mag: Lass uns doch einen festen Satz beschließen, der der Stimme des Herzens entspricht! - Was hältst du davon?

Interessant! Wie wäre es mit: "Bitte lass uns den Streit an dieser Stelle unterbrechen und in etwa 1 Stunde festlegen, wie und wann wir das Thema weiterverfolgen!"

Das ist zwar schon ein bisschen lang, aber probieren wir’s mal so!

Dann ist aber immer noch der Ärger und der Frust über den bisherigen Streit da!

Da würde ich vorschlagen, das auszuprobieren, ob dem wirklich so ist. Ich denke mir, dass wir, wenn wir es so machen, beide wissen, dass wir gemeinsam zu dem Thema eine gemeinsame Lösung finden wollen - und zwar ohne uns gegenseitig weh zu tun - und mit Respekt und Achtung für die verschiedenen Vorstellungen. Das gibt bestimmt viel Zuversicht, neuen Mut und neue Hoffnung. Wenn sich dann während der mindestens 1-stündigen Pause jeder mit anderem beschäftigt, das ihm Freude macht, dann kann er sich auch auf andere Gedanken bringen und vom vorherigen Ärger und Frust ablenken. Das ist wichtig, um wieder den Boden der Normalität unserer Liebes-Beziehung unter den Füssen zu spüren. Dann könnte es vielleicht in der Mehrzahl der Fälle sein, dass nach 1 Stunde wieder eine gute Stimmung da ist. - Und wenn noch nicht, dann versuchen wir auch das eben zu nehmen und uns gegenseitig zu helfen, so gut es eben gerade geht. - Ich würde vorschlagen, es einfach zu probieren, dann sehen wir schon!

Ja, einverstanden! So hört sich das recht überzeugend an. Ich bin dabei!


Und dann nahmen sie sich in den Arm - und waren beide zufrieden, obwohl jeder vorher mit ganz anderen Vorstellungen angetreten war.


Verhandeln, sich zu einigen, bedeutet also, 
die verschiedenen Herangehensweisen zu einem Thema in eine gemeinsame Lösung zusammenzufügen, die "beide" zufrieden stellt. 
Beide müssen dazu bereit sein!
Und beide müssen etwas davon haben! 
Dann stimmt es: 
Sowohl + als auch - oder winner + winner (beide gewinnen).

 

 

1)

In Ausnahmefällen kann eine gemeinsame Lösung auch sein, das Thema z.B. 14 Tage stehen zu lassen, weil eben im Moment keine gute, gemeinsame Lösung gefunden werden kann.

 

Newsletter Nr. 117 vom 21.07.10      Thema der Woche ab 10.08.10  (13.11.04)     Weil wir uns lieben (Partner) oder sehr schätzen (Freunde) wollen wir vom anderen einen Wunsch erfüllt haben. - Und sind verstimmt und verärgert, wenn der andere nicht sofort darauf eingeht. Am Werk ist die versteckte eigene Einstellung: "Entweder ich bekomme das, weil wir Partner / Freunde sind - oder ich bin sauer!" - Das kann nicht gut gehen. - Denn auch der andere hat dazu seine Vorstellungen. Mit verhandeln lässt sich "Sowohl mein Wunsch - als auch deine Vorstellungen dazu sind wichtig!" daraus machen. Gelingt es, beides gut zusammenzufügen, gibt es zwei zufriedene Gewinner!
    ***Wir gestalten die Welt, in der wir leben wollen, durch die Qualität unserer Verbindungen.    (Angela Dietz)*** 

 

siehe auch:  Aufpassen    Beziehung    Dialog und Partnerschaft    Einigen    Ich will(4)   
                   Partnerschaft    Streit(6)        Zuhören    Zwischenbilanz   

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