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Sehnsucht
Inhalt /
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Sehnsucht  1

Welche Worte hat deine Sehnsucht?

 

Mein Großvater war ein bemerkenswerter Mann! - Er ist schon lange tot - und doch lebt er in mir noch ganz lebendig weiter. Ein drahtiger, mittelgroßer Mann mit braungebranntem, zerknittertem Gesicht und einem buschigen Schnauzer unter der Nase. Tagaus, tagein trug er eine helle Schafwollstrickjacke ohne Ärmel. Zwischen seinen Zähnen steckte meist ein kurzes Pfeifchen, abgestoßen, mit einem ganz schwarzgebrannten oberen Rand und einem verbissenen Mundstück. So sehe ich ihn in seinem Heimgarten. Darin stand auch ein kleines Holzhaus mit einer grünen Bank davor, auf der wir gerne saßen, wenn ich bei ihm zu Besuch war.

Zufrieden schaute er dann in seinen Garten, vielleicht auch in die Weite - und manchmal schaute er auch kurz zu mir herüber. An dem, was mich so beschäftigte, war er immer interessiert und hörte mir aufmerksam zu, stellte mir zwischendurch Fragen und erzählte dann auch wieder von sich. - Ich mag ihn gern, meinen Opa!

Einmal, mitten in der Woche, es war ein sonniger, aber leicht windiger Tag, war ich gleich nach der Schule zu ihm gegangen. Ich war irgendwie traurig und konnte mich selbst nicht leiden. Am liebsten hätte ich Kater Rochus, der mich schon an der Gartentüre begrüßte, einen Fußtritt gegeben.

Opa begrüßte mich mit "Hallo Bub! - Schön, dass du da bist! - Komm, setz’ dich zu mir!"

Ich schlenkerte mit den Beinen und schoss kleine Erdklumpen und Steinchen nach Irgendwo. Nach einer ganzen Weile des Schweigens fragte Opa:

"Welche Worte hat deine Sehnsucht?"

Ich schaute ihn ganz entgeistert an. "Ich bin traurig - und wütend - und ich weiß nicht genau warum. Natürlich hat mich die Lehrerin für eine Aufgabe nicht gelobt, wo ich fand, dass ich sie wirklich super gelöst habe. Und Mama hat heute morgen von ihrem neuen Freund gesprochen, den ich noch nicht kenne. Und eigentlich fühle ich mich nicht so richtig wohl, obwohl mir nichts weh tut. Ach - - - - !"

Opa nickte bedächtig. Rauch kringelte aus seiner Pfeife. Er schaute zu mir herüber und sagte, während sich ein leises Lächeln in seinen Augen spiegelte: "Oft ist es schon ganz schön schwer! - Nun - es ist im Moment eben so, wie es gerade ist! Und das ist gut so!"

"Nichts ist gut so!", maulte ich nach.

"Wenn du auf deinem Gefühlsdurcheinander, heute sagt man dazu ja wohl Frust dazu, sitzen bleibst und deine Inneren Stimmen, die sich da melden, nicht beachtest, dann ist es wohl nicht gut. Dann wird es auch noch eine Weile so bleiben. - Auch wenn es vorbei ist, wird dieser Zustand wieder kommen und dich plagen. Und er wird so oft - immer stärker und in immer kürzen Zeitabständen - wieder kommen, bis du dann irgendwann mal bereit bist, auf dich zu hören!"

In der Zwischenzeit war mir schon wieder ein bisschen leichter ums Herz und Opas Worte begannen mich zu interessieren. "Du hast gefragt, welche Worte meine Sehnsucht hat, aber was hat das mit meinem Frust zu tun?"

Wieder schaute Opa zu mir herüber, nickte anerkennend und sagte dann, während er seine Augen wieder in die Weite schweifen ließ: "Du bist ein schlaues Kerlchen! Du fragst heute schon nach Dingen, auf die viele ihr Leben lang nicht kommen. Die meisten Menschen ärgern sich über das, was ihnen weh tut. - Vielfach gehen sie dann gegen irgend etwas los, so wie du vorhin gegen den Kater oder gegen die Steine. - Noch viel schlimmer wird es, wenn sich der Ärger gegen andere Menschen richtet.

Doch tatsächlich ist es so, dass, indem sie sich über ihren eigenen Gefühlszustand ärgern und dann außen die Ursachen suchen, sie in Wirklichkeit gegen sich selbst losgehen. Dann schieben sie diese Gefühle nur mit äußerem Streit und Klagen über andere beiseite und decken sie damit zu oder sie versuchen zu erklären und zu argumentieren. - Du hast vorher auch deine Schule erwähnt - und die Mama - und hast also nach Außen und zu den anderen geschaut, um herauszufinden, wieso du dich so mies fühlst."

"Ja, wo soll ich denn sonst hinschauen, wenn die doch an meinem Ärger Schuld haben?"

"Niemand hat Schuld, Bub! - Die Gefühle, die du spürst, sagen dir etwas über dich!"

"Das verstehe ich nicht! - Wie sollen mir denn Gefühle etwas sagen?"

"Indem du sie spürst, beachtest und dann fragst : ‘Welche Worte hat meine Sehnsucht?’ "

"Und dann?"

Opa nahm die Pfeife aus dem Mund, fuchtelte damit herum und sagte dann: "Ich will es dir erklären! - Magst du es hören?"

"Ja - natürlich!" In der Zwischenzeit ging es mir schon wieder erstaunlich gut und ich war sehr gespannt auf Opas Worte. Er konnte nämlich ungemein spannend erzählen!

"Eigentlich ist es", legte Opa los, "ganz einfach! - Wenn es dir gut geht, machst du Sachen, die dich freuen, ja manchmal vielleicht sogar glücklich machen! - Vor allem, die dir gut tun!"

"Und wenn es mir schlecht geht", warf ich ein, "mache ich Sachen, die mir nicht gut tun?"

"Da ist schon was dran!", fuhr Opa fort. "Wenn es dir schlecht geht, machst du weniger Sachen, die dir gut tun! - Dafür dann mehr Sachen, die dir - in dieser Form, oder Menge, oder Einseitigkeit usw. - nicht gut tun! Auch wenn sie dir vielleicht Freude machen."

"Aha!" - Eigentlich klar, aber es verblüffte mich doch, was Opa gerade gesagt hatte.

"Wenn nun schlechte Gefühle", fuhr Opa fort, "also so ein unklarer Gefühlsdurcheinander, wie bei dir heute, oder auch Streit und Ärger mit anderen, oder auch Schmerzen, Krankheiten und Niedergeschlagenheit daherkommen, dann bekommst du das zu spüren, was deine Innere Stimme schon lange vorher dir zu sagen versucht hat, worauf du aber bisher im Guten nicht geachtet und auch nicht gehört hast."

"Hm! - Ich höre nicht auf meine Innere Stimme? - Aber wenn doch die anderen Schuld an einem Streit oder an einem Ärger sind?"

"Diese Art von Schuld gibt es nicht!", sprach Opa unbeirrt weiter. "Es sind schlechte Gefühle, die in dir entstehen. Eigentlich sind sie gar nicht schlecht, sondern sogar sehr wichtig, aber wir sagen einfach ungute Gefühle dazu, weil sie unangenehm sind. Sie lassen dich spüren, dass du selbst zu wenig für die angenehmeren Seiten deines Lebens tust."

"Auch wenn ich mit Susanne streite?"

"Auch, wenn du dich mit Susanne streitest!"

"Auch wenn ich mich über Mama und das zu kleine Taschengeld ärgere?"

"Auch, wenn du dich über Mama und das zu kleine Taschengeld ärgerst!"

"Und wie soll ich wissen, was ich nun für die angenehmeren Seiten meines Lebens tun kann?"

"Indem du dir selbst die Frage stellst ‘Welche Worte hat meine Sehnsucht?’. Denn Trauer, Ärger, Schmerz usw. sind ja spürbar, weil du das momentan nicht oder noch nicht hast, was du gerne hättest. Dahinter steckt also deine Sehnsucht !"

"Aber ich weiß ja gar nicht, wonach ich gerade Sehnsucht habe!"

"Genau deshalb melden sich solche Gefühle! Damit du aufschreckst, aufmerksamer wirst und dann herausfindest, welche Worte deine Sehnsucht hat."

"Wieso brauche ich da Worte, das ist doch einfach ein Gefühl?"

"Erst wenn du deine Worte für deine Sehnsucht findest, dann verstehst du auch ihren Inhalt und kannst etwas dafür tun. Solange du den Inhalt nicht kennst, spürst du nur den Schmerz, kannst schreien und darüber klagen, vielleicht auch deine Wut an anderen auslassen, vielleicht dich auch verkriechen, aber du kennst deine Inneren Botschaften nicht."

"Aha! - Meine unguten Gefühle sind also Botschaften für mich?"

"Genau!", nickte Opa heftig - und der Rauch seiner Pfeife umwirbelte seinen Kopf.

"Botschaften, was mir alles fehlt?"

"So kann es zwar auch sein, aber das trifft nicht genau den Kern. Es sind Botschaften über Inhalte, nach denen du tiefinnerlich Sehnsucht hast und die dir gut tun würden."

"Also sind es Aufforderungen, dass ich etwas für meine Sehnsucht tue, damit die Sehnsucht kleiner und mein Wohl-fühlen und Glücklich-sein größer wird?"

"Genau! - Du hast den Punkt erwischt! - Selbst also etwas in dieser Richtung unternehmen - und nicht nur darauf warten, dass die unangenehmen Gefühle wieder verschwinden, oder bis die Verhältnisse oder auch andere Menschen sich bessern! "

"Das habe ich jetzt schon verstanden. Aber wie weiß ich, wie nun meine Sehnsucht heißt?"

"Indem du nach deinen Zielen suchst. Und zwar nach Zielen, die aus deinem Inneren kommen, die dich begeistern und dir Freude machen!"

"Und was ist dann, wenn ich diese Ziele habe?"

"Das sind dann Äußere Ziele. Also du möchtest z.B. gut Fußball spielen können - oder selbst ein Märchenbuch schreiben - oder in einer Band mitspielen - oder sonst irgend etwas."

"Und dann geht das in Erfüllung?"

"Das wäre zu einfach und außerdem auch langweilig!", schmunzelte Opa. "Deine Äußeren Ziele sind wichtig, um damit deine Inneren Ziele herauszufinden!"

"Jetzt verstehe ich nur noch ‘Bahnhof’! - Mir schwirrt der Kopf!", stöhnte ich.

"Das war auch viel!", nickte Opa. "Komm’, lass uns eine Teepause einlegen! Was magst du: Erstklassiges, selbstgebackenes Brot - oder Kuchen?"

"Kuchen natürlich!", antwortete ich und zog eine Schnute. Wieso er überhaupt solche Fragen stellte? Opa wusste doch genau, dass ich leidenschaftlich gerne Kuchen aß. Auch wenn das Mama nicht so gerne hatte.

Opa holte einen Klapptisch aus der Hütte, ich stellte einen Stuhl dazu und dann holten wir gemeinsam alles übrige. Eine helle Tischdecke, bunte Topftassen, Teller und Kuchengabeln. Und schon brachte Opa ein Pappuntersatz mit drei Kuchenstücken. Wir beluden die Teller und das dritte Stück teilten wir uns. In der Zwischenzeit war auch der Tee fertig. Opa brachte ihn und goss ein.
Mein Gott, war das schön! Ich strahlte Opa ganz glücklich an und sagte: "Opa, ich hab dich lieb!"

"Ich dich auch!" antwortete Opa und strich mir dabei mit seiner etwas rauen Hand über den Kopf. "Jetzt lass es dir gut schmecken!"

Das taten wir dann auch. - Danach stellten wir die Sachen wieder in die Hütte, den Tisch zur Seite und den Stuhl schoben wir vor uns hin und legten beide unsere Beine darauf. - "Hmmm!" Das tat gut!

Ganz nah saß ich jetzt neben Opa und er hatte seinen Arm um mich gelegt. - Nach einer Weile schaute ich zu ihm auf und fragte: "Wie geht das jetzt eigentlich weiter mit der Sehnsucht?"

Opa seufzte tief und fragte mich dann: "Hjaaa? - Welche Worte hat deine Sehnsucht? - Wonach hast eigentlich du Sehnsucht? - Was würdest du dir besonders wünschen? - Einfach so - für dich - weil es dir Freude macht?"

"Einfach so? Ganz für mich? Ganz ehrlich?"

Opa nickte. - Eine Zeitlang überlegte ich mit krauser Stirne und gespitztem Mund, dann sprudelte es aus mir heraus: "Ich möchte bei den Indianern leben. Vielleicht nicht immer, aber doch eine Weile. Mit ihnen in ihren Zelten wohnen, um das Lagerfeuer sitzen, reiten, jagen, spielen - - ! Oh, das stelle ich mir schön vor!" - Ich stutzte einen Moment und ergänzte dann lachend: "Jetzt hat doch tatsächlich meine Sehnsucht Worte bekommen! - Das ist ein prima Gefühl, Opa! - Ich habe bisher noch gar nicht gewusst, dass das geht!"

Und Opa fragte, indem er wieder zu mir herüberschaute: "Möchtest du das wirklich? Ist dir das so wichtig, dass du dafür das, was du selbst dazu tun musst, um dieses Ziel zu erreichen, auch wirklich zu tun bereit bist? - Auch wenn es anstrengend ist?"

Keine Frage, natürlich wollte ich das! Wenn ich mir z.B. ein Eis wünschte, und auch das Geld dazu hatte, dann musste ich es mir holen, das war doch selbstverständlich. Also mich aufs Rad setzen, zehn Minuten zum nächsten Großmarkt strampeln, und es mir dort kaufen.
Manchmal sind solche Sachen schon irgendwie lästig, weil es so viel anderes, interessanteres gäbe, was man in dieser Zeit auch machen könnte. Aber was hilft’s? Wenn das Eis nicht zu mir kommt, dann gehe ich eben zu ihm und hole es mir! Also schnaufte ich tief, schaute wieder zu Opa auf und sagte, so ganz von unten herauf: "Natürlich will ich mich dafür anstrengen! - Ich will das wirklich!" - 
Das war auch so etwas Besonderes an meinem Opa, dass er mich immer ernst nahm. Er glaubte mir, was ich erzählte. Zumindest nahm er das, was ich sagte, immer wichtig und ging darauf ein.
Im Gegensatz zu vielen anderen Leuten, auch Mama, die dann oft zeterten: "Das verstehst du noch nicht! - und: Das geht doch nicht! - und: Das ist nicht so wichtig! - und: Jetzt lern’ erst mal was Ordentliches und dann sehen wir weiter! - usw." - 
Opa war da ganz anders. Ich war für ihn mit meinen Freuden und Sorgen genau so wichtig, wie sein dicker Freund Anton, mit dem er immer Karten spielen ging. Mindestens!

"Tja", fing Opa an, "dann sollten wir jetzt deine Inneren Ziele dazu herausfinden. Also erst mal, wie du sein wirst, wenn du dieses Ziel erreicht hast."

"Ich?"

"Klar!"

"Wenn ich also bei den Indianer bin?"

"Genau!"

"Das soll ich mir jetzt vorstellen und schauen und spüren, wie ich da bin?"

"Genau das ist es! - Du bist prima! - Was fällt dir denn alles auf an dir, wenn du dich so anschaust, bei den Indianern?"

"Ich bin groß - und kräftig - und habe eine Jacke an, so wie du Opa, nur aus hellem Leder - und bin braungebrannt - und habe strahlende Augen - und ich lache - und ich fühle mich wohl. - Ich bin in einer kleinen Indianergemeinschaft - und es ist wie ein zweites Zuhause! - Ein schönes Gefühl!"

Nachdem eine längere Pause entstanden war, fragte Opa wieder: "Und was machst du alles, wie bewegst du dich, was hast du alles in der Zwischenzeit dazu-gelernt, um dort sein zu können?"

Es war alles so klar, wie in einem Traum. Ich antwortete ohne zu zögern: "Wir sprechen Englisch miteinander, aber ich kann auch schon, wenn auch noch ein bisschen unsicher, den indianischen Dialekt. - Ich kann eigentlich alles, was auch die anderen machen und was man dort so braucht. Ich kann aufs Pferd springen - mit Pfeil und Bogen umgehen, auch wenn wir das nur zum Spaß machen - mit dem Gewehr jagen - reiten - Lederstickereien nähen - malen und mit Farben umgehen - tanzen - und natürlich trommeln - mir neue Spiele ausdenken (ich mache nämlich bei den Spielen der anderen mit - und die anderen auch bei meinen). Ich merke gerade: Ich mache das alles, auch wenn es teilweise sehr anstrengend ist, mit sehr viel Spaß! - Ich kann alles! - Das eine besser und das andere noch weniger gut! - Und ich lerne ständig dazu! - Alle sind so freundlich zu mir! - Alles macht mir so viel Freude!" - Und fragend schaute ich hinüber zu Opa. Was er wohl von diesen Träumen hielt?

Er lächelte mir freundlich zu und nickte: "Das ist schön, wie du dir das vorstellst. Ich kann es innerlich richtig sehen. Auch die Geräusche des Lagers kann ich hören, das Murmeln von Menschen, das vereinzelte Wiehern von Pferden in der Ferne. Ich kann auch das Feuer riechen! - Und dich kann ich mir auch gut vorstellen, wie du dich beschrieben hast! - Du gefällst mir!"

Eine Weile hingen wir nun unseren Träumen nach. Dann stupste ich Opa vorsichtig an und fragte: "Wie ist das nun mit den Inneren Zielen - Opa?"

"Ja, jetzt ist alles eigentlich ziemlich einfach, auch wenn es noch ganz schön lange dauern kann!", begann Opa wieder. "Deine Inneren Ziele hast du eben erzählt. All das, was du bist und was du kannst, wenn du dein Äußeres Ziel, bei den Indianern zu sein, erreicht hast, gehört zu deinen Inneren Zielen. - Deine Aufgabe ist es nun nur noch, genau diese Fähigkeiten durch Dazu-lernen zu entwickeln und damit weiter auszubauen.
Dieses innere Bild, das du eben von dir gezeichnet und auch gespürt hast, wird dir dabei Wegweiser sein. Sicherlich wirst du noch vieles andere auch können, was ganz selbstverständlich ist und dir deshalb gerade nicht eingefallen ist, was aber doch auch wichtig ist, wenn es ums Dazu-lernen geht. Doch du wirst innerlich wissen und spüren, was alles wichtig ist. Und es wird dir Freude machen, es dir zu holen. Auch wenn Anstrengung und Mühe dabei immer wieder Begleiter sein werden! 
Jetzt weißt du, welche Worte deine Sehnsucht hat. Und jetzt darfst du dich dafür einsetzen, dass deine Inneren Ziele mehr und mehr Wirklichkeit werden. So kommst du auch deinem Äußeren Ziel, eine gewisse Zeit lang bei den Indianern zu leben, Schritt für Schritt immer näher.
Ich würde mich freuen, wenn du mir immer wieder von deinen Fortschritten - und irgendwann einmal auch von deinem wirklichen Leben bei den Indianern - erzählen würdest!"

Ich war ganz erfüllt - und glücklich. Und ich spürte etwas Neues in mir aufkeimen,  ‘meinen Hunger nach Dazu-lernen’, damit ich immer mehr so werde, wie ich sein will!

Tränen der Rührung stehen mir - während ich dies erzähle - in den Augen. Es ist nun schon mehr als zwanzig Jahre her. Mein guter Opa lebt nicht mehr. Lächelnd ist er vor mehr als zehn Jahren gestorben. Und immer wieder hat er mir verständnisvoll und ermutigend zugenickt, wenn ich ihm von meinen Fortschritten und auch meinen Niederlagen - denn die gab es auch immer wieder - erzählte.
Meine damalige Sehnsucht - mein damaliger Frust also - wurde mir, dank Opa, zu einem Wegweiser für meinen Weg. - Was habe ich nicht alles probiert und gelernt!
Nach und nach habe ich sogar in der Schule das Lachen gelernt! Die Fächer, die mich interessierten, lernte ich leicht und mit Begeisterung, die anderen vernachlässigte ich mit Überzeugung und innerer Sicherheit. Was sollte ich mich mit Quatsch, wie z.B. Geschichte ‘Wann irgendwann früher was war?’ und ‘Wann wer dem anderen den Kopf eingeschlagen hat?’ befassen? Die Vorteile der Schule genoss ich - und die Nachteile nahm ich dann halt auch in Kauf und tat in den ungeliebten Fächern nur so viel, dass ich es eben gerade schaffte.

Diese Einstellung war für Mama unverständlich. Der Zeugnistermin war für sie immer mit schlimmen Befürchtungen verbunden. Und irgendwie hatte sie Opa im Verdacht, ohne Genaueres zu wissen.

Mir ging es jetzt richtig gut in der Schule. Gute und weniger gute Noten waren in Ordnung - und bestätigten mein vorhandenes oder nicht vorhandenes Interesse. Nur einmal haben meine Berechnungen nicht so ganz hingehauen und ich musste die Klasse wiederholen. Ich trug es mit Fassung. Das folgende Zeugnis wurde trotzdem auch nicht viel besser.
Neben der Schule habe ich mich zeitweise und abwechselnd immer wieder mit anderen Dingen befasst. Besonders viel Spaß machte mir Theaterspielen, Tanzen in allen Variationen, Handwerkern, Computern und natürlich auch Reiten.

Vor nunmehr bald zwei Jahren bin ich von einem halbjährigen Aufenthalt bei den Hopi-Indianern aus Amerika zurückgekommen. Vieles war ganz anders, als ich es mir damals geträumt hatte, aber die Wirklichkeit hat mich sehr berührt. Und wieder habe ich viel Neues dazu-gelernt! Ich möchte diese Zeit nicht missen!

Ja - auch nach dem damaligen Gespräch mit Opa, habe ich noch oft und immer wieder gefragt:  "Welche Worte hat meine Sehnsucht?" 
Wenn es mir gut ging und ich Lust dazu hatte, aber besonders auch, wenn es mir schlecht ging und Wut, Zorn und Ärger mir zu schaffen machten. Auch dann, wenn ich das Gefühl hatte, dass ‘andere’ scheinbar wieder so gemein und rücksichtslos oder auch so entsetzlich dumm waren.

Er lebt in mir weiter, mein Opa! - Ich rieche seinen Tabak und spüre seine raue Hand wieder auf meinem Kopf! - "Danke - Opa!"
 
 

Thema der Woche ab   20.10.12  (07,04)  "Welche Worte hat deine Sehnsucht?" - Hinter Schmerz, Ärger, Wut oder anderen unguten Gefühlen soll eigene Sehnsucht verborgen sein. Und in diesem Gefühl der Sehnsucht soll sich eine innere Botschaft verstecken. Wie lautet sie? - Ein scheinbares Rätsel, doch es lässt sich lösen - und es will gelöst werden.

siehe auch:  Newsletter Nr.43      Versöhnen und heilen (T-Fugru) 

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