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Anfang

Neuanfang oder Fortsetzung ?

 

Nichts ist los auf dem durch die Nachmittagssonne aufgeheizten Dorfplatz. - Auch das im Schatten großer Kastanienbäume liegende, behäbige Gasthaus macht einen verlassenen Eindruck. Ich betrete es durch eine schwere Eichentüre, die beim Öffnen leise quietscht. Durch einen kühlen, dunklen Gang gehe ich in den Gastraum. Wie erwartet, ist er fast leer. - Auf der Bank vor einem dunkelgrünen Kachelofen sitzt zurückgelehnt ein altes Männchen. Um seinen Tisch hat sich eine kleine Menschentraube gebildet. Ein paar Kinder spielen unter den Tischen.

Der Alte könnte ein Austragsbauer sein, denke ich mir. Aus dem kleinen, wettergegerbten Gesicht blitzen zwei lachende Augen. Sie anzuschauen und an ihnen hängen zu bleiben ist eines. Das Gesicht ist mit grauen Stoppeln übersäht, die Zähne sind lückenhaft und teilweise schon schwarz. Zwischen ihnen hängt eine kurze, gebogene Pfeife. - Gerade stößt er ein paar Rauchwolken aus, fährt mit der Hand über den Tisch, wie wenn er vorher Gesprochenes wegwischen wolle, und sagt dann mit einer dünnen Stimme:

"Es gibt keinen Neuanfang!
Solche Vorstellungen haben mit dem immer wieder auftretenden Denken von 'Anfang' und auch von 'Ende' zu tun. Dem Anfang eines neuen Lebens, in dem es besser und schöner sein soll - und damit dem Ende von Bedrückung, Angst und Trauer in Partnerschaft und Arbeit, oder auch von Schmerzen, Krankheiten und anderen einengenden Erscheinungen.

So geht das aber nicht! 
Der Anfang ist die Geburt - und das Ende der Tod. 

Dazwischen gibt es immer nur ‘Fortsetzungen’

  • in der gleichen Richtung      (ohne eigene Veränderung, mit
                                                Eng-bleiben und Starr-werden)

  • oder in eine neue Richtung  (im Zuge eigener Veränderung, 
                                                mit Wachstum und Weiter-Entwicklung).

Du kommst aus deiner Vergangenheit, bewegst dich in deiner Gegenwart - jetzt - und bestimmst durch dein Denken und Handeln, besonders aber durch deine vorhandenen oder auch nicht vorhandenen Ziele, genau 'die Richtung', in die es für dich weitergehen wird, nicht nur soll.

In welche Richtung denkst und handelst du bevorzugt?
Ist es so, dass du aus den Erfahrungen der Vergangenheit Kraft und immer wieder Auftrieb schöpfen kannst? Dass du den Augenblick wahrnimmst, spürst und genießt, ihn so annimmst, wie er gerade ist und das Beste daraus machst? Und dass du gleichzeitig mit Geduld, Ausdauer und Zuversicht weiterstrebst, auf mehr Freude und Wohl-fühlen zu, alleine und mit anderen zusammen? Gehört also die Aufmerksamkeit überwiegend dem Jetzt - und schaust du dabei nach vorne?

Oder bist du mehr mit schmerzlichen Erinnerungen aus deiner Vergangenheit oder auch mit belastenden, aktuellen Ereignissen (Streit, Spannungen, Krankheiten usw.) beschäftigt? Überwiegt eher das Bedrückende, das Klagen und die Trauer über bestimmte Zustände und Zusammenhänge? Gehört also die Aufmerksamkeit zwar der Gegenwart, aber schaust du dabei mehr zurück oder auf die Stelle, auf der du gerade stehst? Vielleicht mit den Worten »Da bin ich dagegen! Da kämpfe ich dagegen an! - Jetzt müsste man neu anfangen können! - Wenn ... ! Hätte ... ! Wäre.... ! Der Partner soll .. ! Von den anderen kann ich doch erwarten, dass ... !«

Gerade dieses Den-eigenen-Kummer-immer-wieder-umrühren und sich selbst im eigenen Schmerz bemitleiden, gilt es, wenn positive Veränderungen bewirkt werden sollen, zu überwinden, z.B. mit den Fragen: 

»Welche Chancen stecken für mich in diesem Wehtun? 
Wozu fordert mich das auf? 
Welche Bedürfnisse, Wünsche und Ziele habe ich 
und was bin ich bereit, dafür nun auch selbst zu tun? 
Will ich mein bisheriges Leben insofern verändern und verbessern?
Wann fange ich an?
Mit was?«

Bei Belastendem und Schmerzlichem, gleichgültig ob aus Gegenwart oder Vergangenheit, handelt es sich also immer um treibende Kräfte, die die eigene Weiter-Entwicklung und damit das eigenverantwortliche Gestalten eines freundlicheren und fröhlicheren Lebens-Alltags fordern.

»Wie soll das denn gehen - das kann ich nicht - dazu habe ich keine Zeit - daran habe ich kein Interesse - wie komme ich dazu, sollen doch die anderen - der Arzt sagt - die Verhältnisse verlangen - mein Chef fordert - das geht schon und ist auch so auszuhalten - usw. usw.!« - Kennst du auch solche Gedanken? 
Und damit wird dann das Wichtige und Notwendige häufig beiseite geschoben und die Bahn ist wieder frei für einlullendes Träumen und Lamentieren: »Wenn ich neu anfangen könnte .. ! Vielleicht irgendwann .. !« 
Genau das geht aber nicht. 

Für deine Fortsetzung dieses 'jetzigen Augenblickes' bist alleine nur du zuständig!

  • Willst du etwas zu deinen Gunsten verändern, dann tue es selbst!

  • Willst du dich nicht mehr als bisher für dein eigenes Wohlbefinden einsetzen, dann lasse es, aber beklage dich danach nicht über die Folgen und Auswirkungen, die das dann früher oder später 'für dich' haben wird! 

Es ist bestimmt nicht leicht, gerade wenn man im Schmerz steckt, über Chancen und eigene Veränderungen nachzudenken. Doch es geht!

Ich mache es in solchen Momenten bevorzugt so, dass ich mir vorstelle, meinen gerade vorhandenen Kummer und mein Wehtun wie ein zu mir gehörendes Kind an eine Hand zu nehmen - und an die andere Hand nehme ich, wie Zwillinge, die sich gegenseitig an der Hand halten, zum einen meinen Lebenswillen und meine Kraft, die es mir möglich machen, mich zu bewegen und zum anderen die Chancen und Aufforderungen, die in dieser Situation für  mich stecken bzw. die Fragen danach (Welche Chancen stecken für mich in diesem Wehtun? Wozu fordert mich das auf?). 
Dann gehen wir gemeinsam ein bis zwei Stunden spazieren.  
 

Lebenkraft - Kummer - und Chancen


Dabei spüre ich den Schmerz und stelle mir doch in einem fort immer wieder die Fragen, welche Chancen da für mich in dieser Situation stecken und zu was mich mein Schmerz auffordert.

Am Anfang überwiegen meist Ärger, Wut, Enttäuschung, Trauer, Ratlosigkeit und der innere Widerstand gegen diese zusätzliche, quälende Fragerei. Doch mit der Zeit spüre ich dann, dass die Ablehnung nachlässt - und es kommen neue Ideen. Immer wieder stoße ich so auch auf Veränderungsmöglichkeiten, die ich zwar früher schon mal erwogen, aber dann doch, meist aus Bequemlichkeit und Nachlässigkeit, nicht weiterverfolgt habe.

So tun sich neue Perspektiven auf, die aus Kummer und Schmerz herausführen, wenn ich sie aufgreife, um sie dann Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen.
 

Und meine Fortsetzung - jetzt, in dieser Runde - ist, dass ich wieder in mein Zuhause zurückkehren werde!"

Lächelnd und mit dem Kopf nickend schaut der Alte in die Runde, schiebt seinen Tisch etwas zurück und geht dann langsam und schlurfend auf die Türe zu.

Ich schrecke zusammen, als sie hinter ihm zufällt.
Während ich nachdenklich meinen Kaffee umrühre, gehe ich in Gedanken das Gehörte nochmals durch: 

"Nach der Geburt ist aller Neuanfang immer nur eine eigene Fortsetzung!"

Interessant und erstaunlich, welch wertvolle Denk- und Handlungsanstöße sich da - ganz zufällig - in einem scheinbar verlassenen Dorfwirtshaus anbieten.
 

 

 

 


Fragezeichen

 Vielleicht .. 
wenn ..
 später ..

 

Vielleicht, wenn ich mehr Zeit habe!
   Vielleicht mal abends oder am Wochenende!
      Vielleicht im nächsten Urlaub!
          Vielleicht, wenn ich dann mal im Ruhestand bin!
Später!   -   Ein andermal! 
   Wenn die Zeiten sich wieder bessern!
      Wenn mein Partner, wenn die anderen ... !
          Wenn ich halt nochmals neu anfangen könnte!
Vielleicht probiere ich es auch noch mal - irgendwann!

Fragezeichen          

 

Thema der Woche ab 20.09.12  (07)   +   Newsletter Nr. 80 (14)  Da ist der jetzige Augenblick. Er vergeht - und aus ihm wächst der nächste Augenblick, der sich in die Richtung bewegt, in die ich denke und strebe. Ich habe es also selbst in der Hand, mit welchen Inhalten und Qualitäten sich in meinem Leben ein Augenblick an den anderen reiht. - Bei einem gemeinsamen Spiel sagte ein kleiner Junge mal zu mir: "Du bist der Bestimmer für dich!" Und, ich finde, er hat ins Schwarze getroffen. Das ist schön, aber immer wieder auch anstrengend und damit unbequem. Denn wenn ich ehrlich bin, kann ich nun plötzlich die Schuld nicht mehr auf andere, die Verhältnisse oder den Partner schieben. Ich bin selbst herausgefordert, mein Leben in eigener Verantwortung in die eigenen Hände zu nehmen! - "Denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!" - Und jeder Augenblick ist ein neuer Anfang. - Entdecke den Zauber darinnen! 
      ***Man weiß nie, was daraus wird, wenn die Dinge verändert werden.
          Aber weiß man denn, was daraus wird, wenn sie nicht verändert werden?     Elias Canetti***

siehe auch:   Grenzen      Zum Schluss  

                    MOSAIK / Anfang       MOSAIK  / Chancen      MOSAIK / Kummer       MOSAIK / Mensch   
                    MOSAIK / Roter Faden4(1-7) 

 

Texte unter "A" A-Fundgrube Alltag Anfang Assoziationen
Aufgabe Aufmerksamkeit Aufpassen Ausdrücken  Autor 

 

verstreute "A"-Texte Abhängig -> R-Fugr. Abschied -> Z-Ende Achten -> Zit.26
Achtsamkeit -> Kennen-lernen (R-Fugr.) Affirmationen -> Ziels. Anders -> V-Fugr.
 Angewiesen1 -> M-Fugr. Angewiesen2 -> Entscheidungen (E-Fugr.) Arbeit1 -> D-Fugr.
Arbeit2 -> N-Fugr. Arbeit3 -> S-Fugr. Archiv -> Newletter Augustinus -> Zit.4
 

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